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Von der Oper zur Operette
(Enrico Trummer)
Als Vater der Operette gilt der Kölner Komponist Jacques Offenbach, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts diese Gattung in Paris auf die Bühne brachte: Mit seiner Operette Orpheus in der Unterwelt etablierte sich diese Kunstform im Pariser Bürgertum. Der spöttische, parodistische Ton der neuen Kunstform – der sich auch über die seriösen Opern oder die bildungsbürgerliche Welt lustig machte – wurde zum beliebten Trend. Zum Gesang kamen der Tanz und auch das gesprochene Wort, die frivole Anspielung (Can Can) und die kurzen, eingängigen Musiknummern. Bald verbreitete sich auch in Wien diese Kunstform, die mit ihren leichten Stoffen sich vornehmlich an das Bürgertum richtete. Operetten von Strauss (Fledermaus, Zigeunerbaron..) oder Carl Zellers berühmter Vogelhändler sind legendäre Beispiele aus der goldenen Operetten-Ära im Wien der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Franz Lehár – Ballsirenen (1905, Theater an der Wien)
Die lustige Witwe ist die erfolgreichste und bekannteste Operette von Franz Lehár. Das Textbuch stammt von Victor Leon und Leo Stein nach dem Lustspiel „L’attache d’ambassade“ von Henri Meilhac. Die Handlung dreht sich um die Liebe zwischen dem Grafen Danilo Danilowitsch und dem einfachen Landmädchen Hanna, die fast an Standesunterschieden gescheitert wäre. Als Hanna den reichen Bankier Glawari heiratet, der aber schon in der Hochzeitsnacht verstirbt, wird aus dem armen Landmädchen ganz unverhofft die reiche Witwe Hanna Glawari – die als „lustige Witwe“ nun von allen Herren der feinen Gesellschaft begehrt wird. Bis Danilo und Hanna ein Paar werden, müssen noch zahlreiche Hindernisse, Missverständnisse und Verwicklungen überwunden werden…
Die Uraufführung fand am 30. Dezember 1905 am Theater an der Wien statt. Allein zu Lebzeiten des Komponisten wurde dieses Werk über 300.000 Mal gespielt. Sie gilt als eine der erfolgreichsten Operetten der „Silbernen Operettenära“ der Stadt Wien. Übrigens: Am 9. Dezember 2009 trug Johannes Heesters im Alter von 106 Jahren bei einem Konzert die berühmte Auftrittsarie des Grafen Danilowitsch vor: Jetzt geh ich ins Maxim/da ist es sehr intim/ich duze alle Damen/nenn sie beim Kosenamen…
Im Original verzichtete Lehár bei seiner weltberühmten Operette auf eine Ouvertüre. Nachträglich schrieb er aber das ursprüngliche Finale des ersten Aktes zu einem 3-teiligen Konzertwalzer um und nannte diese Walzersammlung dann Ballsirenen – mit vielen eingängigen Motiven aus dieser unsterblichen Operette. Dazu gehören ebenso der berühmte Lippen-schweigen-Walzer oder auch das Auftritts-Motiv des Grafen Danilo. Seelenvolle Wiener-Walzer-Klänge, die das Herz erwärmen….
Fred Raymond – Maske in Blau (1937, Metropol Theater Berlin)
Eine bittersüße Liebesgeschichte, exotische Schauplätze und eine Fülle an Schlagern machen Fred Raymonds Operette Maske in Blau bis in unsere Tage zu einem wahren Klassiker der Operetten-Literatur. Ihre Uraufführung fand am 27. September 1937 im Metropol-Theater in Berlin statt. Verwoben mit wirkungsvoller Musik, die leicht zu Ohren geht und als „Evergreens“ haften blieb, wird nach Texten von Heinz Hentschke und Günther Schwenn die Geschichte einer schönen Unbekannten erzählt, die vom Maler Armando Celini für sein Portrait „Maske in Blau“ als Modell zur Verfügung stand – und bei beiden für „Schmetterlinge im Bauch“ sorgt. Nach einem Jahr kehrt diese „Maske in Blau“ zum Maler zurück und entpuppt sich als reiche argentinische Plantagenbesitzerin namens Evelyne Valera. Wie zu erwarten, bietet auch diese Handlung eine Fülle von unerwarteten Schwierigkeiten und Intrigen bis es schließlich zum „Happy End“ kommt.
Auf dem Weg dahin sorgt der anno 1900 in Wien geborene Friedrich Raimund Vesely – der sich nach seinen ersten Operettenerfolgen den Künstlernamen Fred Raymond zulegte – mit bekannten Melodien wie Die Juliska aus Budapest, Am Rio Negro oder Sassa für den durchschlagenden Erfolg. Allein 7 Musiknummern aus dieser Operette wurden zu Weltschlagern, die in zahllosen Bearbeitungen arrangiert und gespielt werden.
Seinen Ruf als genialer Schlager-Komponist hatte der gelernte Bankkaufmann Raymond übrigens schon früher bewiesen: Ich hab das Fräulein Helen baden sehen, In einer kleinen Konditorei oder Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren stammen ebenfalls aus seiner Feder – wie auch viele weitere erfolgreiche Operetten-Produktionen. Raymond starb 1954 in seiner Wahlheimat Überlingen am Bodensee an einem Herzversagen.
Mit einem Medley wollen die Sänger des Liederkranzes heute ihr Publikum im „K“ in die romantisch-melodienreiche Welt der unsterblichen Maske in Blau entführen.
(Fortsetzung folgt)